Gott-in-Allem

Auf der Suche nach einem neuen Gottesbild

Der christliche Glaube ist in die Krise geraten und mit ihm die Situation der christlichen Kirchen. Der Besuch eines gewöhnlichen sonntäglichen Gottesdienstes offenbart nur zu deutlich die aktuelle prekäre Lage: Die Besucherzahlen nehmen kontinuierlich ab und das Durchschnittsalter der Besucher nimmt ständig zu.

„Der christliche Glaube wird zunehmend zu einem „Auslaufmodell““  bemerkt der Pfarrer und Physiker Hans-Rudolf Stadelmann in seinem Buch „Im Herzen der Materie“ . Und weiter führt er aus: „ Den Kirchen laufen zusehends die Mitglieder davon, Wirtschaft und Politik haben sich schon längst von christlichen Grundwerten verabschiedet. Sicher sind für diese Entwicklung verschiedene Faktoren verantwortlich. Meines Erachtens dürfte aber der wichtigste das Fundament des christlichen Glaubens selbst betreffen, nämlich den Glauben an Gott. Die bis heute tradierten und im Kirchenvolk verankerten Gottesbilder, also die vorwiegend anthropomorphen Vorstellungen von Gott als einer Art von absolutem Weltenherrscher, welche die meisten von uns in unserer Kindheit mitbekommen und später kaum je ernsthaft in Frage gestellt haben, stammen aus längst vergangenen Zeiten und sind mit unserem heutigen Weltbild einfach nicht mehr vereinbar. Was uns fehlt, ist ein zeitgemäßes, heutige Menschen ansprechendes Gottesbild.“

Dieselbe Meinung vertritt der Kirchen- und Theologiegeschichtler  Matthias Kroeger: „ Mir scheint, einer der entscheidenden Gründe für das Abreißen der Verständlichkeit der kirchlichen Verkündigung – und damit zugleich ein Indiz für die religiöse Unakzeptabilität der Kirche – liege vor allem im verbreiteten Gottesbegriff. Die Worte „Gott“ und „Christus“ scheinen zu einer Art hochrangiger Verschlussformel geworden zu sein, bei deren Benutzung die Jalousien regelmäßig heruntergehen, wenn die Üblichkeit christlicher Predigt einen wieder einmal überfällt. Obwohl theologische Gründe oder Diskrepanzen gegenüber der christlichen Lehre bei den Motiven zum Kirchenaustritt kaum eine Rolle spielen, meine ich doch, dass letztlich hier, in diesen Fragen, die Hauptursache der Entfremdung von der Kirche liegt.“

Die Krise der christlichen Kirchen ist demnach in direktem Zusammenhang mit einer Krise des theistischen Gottesbildes im Bewusstsein der Bevölkerung zu sehen.

Der bekannte Benediktinermönch David Steindl-Rast bemerkt dazu in Christ in der Gegenwart (39/2003) „Der Theismus bricht von innen her zusammen. Das ist ein Prozess, den nichts aufhalten kann. Gott ist keine Gottheit (auch nicht die oberste), sondern „in Gott leben wir, bewegen wir uns und sind wir“ (Apg17,28).“

Und Prof. Dr. Klaus Müller von der theologischen Fakultät der Universität Münster ergänzt:   „Schon länger lässt es sich nicht mehr leugnen: Das traditionelle Bild eines personalen Gottes, der die Welt schafft, in die Weltgeschichte genauso wie in die Biographien von Individuen hineinwirkt, alles lenkt und leitet, ist flächendeckend in die Krise geraten“. (Eschatologie und der Panentheistic Turn, in Lachner „Nahtoderfahrungen“, 2013)

Es ist die so beschriebene Krise eines überholten Gottesbildes, die dazu drängt,  neue, kreative und plausible Ansätze für ein neues Gottesbild zu suchen und zu entwickeln.

Um eine solche Spurensuche soll es hier gehen, geleitet von den Fragen:
Gibt es in unserem Universum Indizien für einen – wie auch immer gearteten – tragenden Grund? Welchen Platz nimmt der Mensch in diesem Universum ein? Welches Gottesbild ergibt sich aus den Antworten?

Ein Gottesbild, welches mit vielen mystischen Erfahrungen von Menschen unterschiedlicher Religionen und den Erkenntnissen der modernen Naturwissenschaften kompatibel ist, ist das eines „Gott-in-Allem“, in griechischer Übersetzung: Panentheismus.  Der Panentheismus ist eng verknüpft mit der Prozesstheologie (Gott im Werden) , die konzeptionell auf der Prozessphilosophie (grundlegend sind nicht Dinge, sondern Prozesse)  und einem damit verbundenen Panpsychismus beruht (in allem steckt – wenn auch nur rudimentär – das Prinzip des Geistigen).

All diese Konzepte wären jedoch ausschließlich philosophische und theologische Gedankenkonstrukte – neben anderen -,  gäbe es keine Indizien für einen Bezug dieser Konzepte zu der von uns erlebten Wirklichkeit. Indizien (nicht Beweise) für einen solchen Bezug liefern in meinen Augen zum einen die Erkenntnisse der Quantenphysik und zum anderen (noch viel überzeugender) Erfahrungsberichte, von Menschen, die in die Nähe der Todes geraten sind (Nahtoderfahrungen – NTE).

1. Indiz: Quantenphysik

Wie ich durch viele positive Rückmeldungen nach Vorträgen zum Thema „Gott-in-Allem. Auf der Suche nach einem neuen Gottesbild“  erfahren durfte,  erweisen sich die grundlegenden Konzepte der Quantenphysik als sehr fruchtbar für die Entwicklung eines modernen Gottesbildes. Diese führen uns nämlich sehr deutlich vor Augen, dass die Realität, die uns umgibt, nicht so solide ist, wie sie uns häufig erscheint, sondern dass sie bis hinab auf die Ebene der unbelebten Materie aus einem intensiven Wechselspiel zwischen einer nicht sichtbaren, aber wirksamen Möglichkeitswelt (Gesamtheit aller realisierbaren Möglichkeiten) und der konkreten, sicht- und greifbaren Realität hervorgeht. Damit erweist sich die Quantenphysik als ein sehr geeigneter gedanklicher und konzeptioneller Rahmen für ein Weltbild, welches nicht nur die materielle Realität im Blick hat, sondern auch Raum bietet für eine – wie auch immer geartete – hintergründige geistige Wirklichkeit.

Diese von der Quantenphysik und einigen philosophischen Denkrichtungen inspirierte Gesamtschau ist in ihrer Tiefe und Breite zwar neu, im Kern jedoch war sie schon immer den Mystikern der Menschheit – in allen Zeiten und Kulturen – bekannt . Insofern erleben wir heute den wunderbaren Ringschluss der tiefen Erkenntnisse Jahrtausend-alter menschlicher Weisheiten mit den tiefgreifendsten Erkenntnissen der modernen Wissenschaften.

2. Indiz: Nahtoderfahrungen (NTE)

In der letzten Zeit bin ich auf unterschiedlichsten Wegen in
Kontakt gekommen mit den neuesten Ergebnissen der Nahtodforschung. Diese haben mich von Anfang an fasziniert, da sie
meine von der Quantenphysik her abgeleitete, eher theoretische
Sicht auf Gott und die  Welt und die Zusammenhänge zwischen materiellerund geistiger Wirklichkeit nicht nur bestätigen, sondern durch persönliche Erfahrungsberichte ergänzen und bereichern.
Es ist das Ziel dieses Beitrags,  zu zeigen, dass die Ergebnisse der Nahtodforschung und der Quantenphysik ein Gesamtbild der Wirklichkeit ergeben, das in sich schlüssig und plausibel ist.

In den folgenden Materialien zum Thema „Gott-in-Allem“ finden Sie:

  1. Eine ausführliche Darstellung, wie die Konzepte der der Mystik, Philosophie, Theologie und der Naturwissenschaften , insbesondere der Quantenphysik, das panentheistische Gottesbild unterstützen;
  2. Text von Willigis Jäger zur Verdeutlichung des panentheistischen Gottesbildes.
  3. Folien eines Vortrags zum Thema „Gott in Allem – Auf der Suche nach neuen Gottesbildern“
  4. Einen Text, der die Bedeutung der Nahtoderfahrungen für unser Gottesbild beleuchtet.

Es wird auch verwiesen auf die beiden Workshops 2015 und 2016, die sich beide mit der Thematik eines neuen Gottesbildes befasst haben.